Homepage / Suche / Gästebuch / Impressum

Der Zoo, der anders denkt als andere


Fahrt zum Landgoed Hoenderdaell

Annäherung und Ankunft


Zum Landgoed Hoenderdaell sind es nur 700 Meter und da wir inzwischen wissen, dass man in Holland das Durchfahrt-gesperrt-Schild einfach ignorieren kann, sind wir auch gleich da. Um zehn vor neun kommen wir an dem riesigen Parkplatz an – 1½-mal so groß wie ein Fußballplatz. Hier gibt es 650 Stellplätze – und alle kostenlos. Wir sind mal wieder das einzige Auto. Sind wir schon wieder falsch? Hatten wir das nicht gestern schon Mal in Harderwijk? „Du kannst gleich hier vorne im Schatten parken, da ist auch gleich der Eingang.“, hat Susanne gesagt.

Nun ja – „gleich hier vorne“. Das war mal wieder so eine Susanne-Einschätzung. Denn am vermeintlichen Eingang gibt es zwar ein schmiedeeisernes Tor mit jeweils einem zwei Meter hohen Pfosten links und rechts und oben drauf Hahn und Henne. Das ist zwar sehr dekorativ, aber keinesfalls der Zoo-Eingang. Also gehen wir und gehen – und gehen noch ein Stück weiter. Fast einen halben Kilometer, immer am Hooge Oude Veer entlang, bis wir dann endlich zwei einsame, vermutlich Gärtner, treffen. Auf die Frage, wo denn hier der Zoo-Eingang sein, kann dann prompt die Antwort: „Jullie zijn veel te vroeg! De dierentuin gaat pas om 9:30 uur open. Sie sind viel zu früh! Der Zoo öffnet erst um 9:30 Uhr.“ Ja, wir wissen es jetzt: In den Niederlanden startet ein Tag, dazu noch ein „Ausflugstag“ generell später als z. B. in Deutschland. Läden öffnen oft erst um 9:30 Uhr oder 10:00 Uhr. – und Zoos passen sich diesem niederländischen Rhythmus einfach an. Frühere Öffnungen würden wenig bringen, weil kaum Besucher kommen – die ersten Stunden wären – wie der Holländert sagt: duur maar leeg (teuer, aber leer). Jetzt sitzen wir also hier, 200 Meter von unserem Panda entfernt, der nur noch als roter Punkt am Horizont zu erkennen ist. Da aber noch genügend Zeit ist, und es direkt am Zoo-Eingang auch noch Parkplätze gibt, gehe ich jetzt erst man „Katzabärle“ retten, grad so wie das ZooLandgoed Hoenderdaell, das sich die „Rettung und der artgerechten Unterbringung bedrohter Tierarten“ auf die Fahnen geschrieben hat.

Viel zu früh sitzen wir jetzt am 12 x 5,5 Meter großen Koi-Karpfen Becken vor dem Eingang.

Susanne kann einen Nishikigoi (wörtlich: „brokatfarbener Karpfen“) sogar anstupsen. Der sei aber ganz schön glitschig.

Grundidee des Zoos


Um halb zehn geht’s endlich hinein. Der Eintritt kostet an der Kasse 19,50 Euro, online wären es zwar nur 18 Euro gewesen. Aber was nützt das günstigere Ticket, wenn man – wie gestern in Harderwijk – am Ende gar nicht bis zum Ziel kommt? Heute klappt es dafür. Und Susanne lädt mich auch noch ein. Schließlich war es ihre Idee, als Höhepunkt unseres „25-Jahre-Meeresakrobaten-Jubiläums-Fährtles“ SOS Dolfijn zu besuchen. Die Organisation hat sich auf die Rettung, Erstversorgung und Rehabilitation gestrandeter kleiner Wale spezialisiert. Früher war sie im Dolfinarium Harderwijk untergebracht – deshalb wollten wir gestern unbedingt dorthin. Seit 2022 hat SOS Dolfijn nun hier im Landgoed Hoenderdaell seine neue Heimat gefunden.

Da passt SOS Dolfijn auch viel besser hin als ins heutige Harderwijk, das nicht mehr der Tierpark ist, den wir kannten, sondern sich mittlerweile zum Erlebnis- und Show-Park gewandelt hat. Da passt auch gut dazu, dass Harderwijk 2019 sowohl die niederländische Zoo-Vereinigung (NVD) als auch die European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) verließ. ZooLandgoed Hoenderdaell ist aber auch kein Zoo im klassischen Sinn, nein, er ist viel besser: Hier steht nämlich nicht die Zurschaustellung der Tiere im Mittelpunkt, sondern deren Rettung und artgerechte Unterbringung. Wichtige Partner sind unter anderem die Stiftung Leeuw (Großkatzen aus schlechter Haltung) und eben SOS Dolfijn (Rettung von Meeressäugern).


< zurück Inhaltsverzeichnis umblättern >
Reiseberichte aus den Niederlanden
Reiseberichte aus Europa

Einen Kommentar schreiben